Scrum meistern mit femininer Power

Scrum und Agilität ergeben einen Rahmen für Diversity. Eine gesunde Mischung aus Männern und Frauen profitiert davon. In diesem Beitrag möchte ich darstellen warum.

Die Digitalisierung und die Softwareentwicklung ist fest in Männerhand. Als Softwareingenieurin bin ich glücklich, dass immer mehr Frauen ihren Weg in diese Zukunftsbranche finden. Als Trainerin für agile Führung möchte noch mehr Frauen ermutigen, in diese Welt einzutauchen. Die Digitalisierung bestimmt unsere gemeinsame Zukunft auf diesem Planeten maßgeblich. Deshalb sprechen wir vom Digitalzeitalter.

Das maskuline und das feminine Prinzip bezeichnet die traditionelle chinesische Medizin als Yang und Yin, die in Balance sein müssen, damit Menschen gesund sind. Ying repräsentiert hierbei das innere, weibliche, sein, emotional, chaotische, unstrukturierte, nichtlineare, Imperfekte, multitasking, verändernd, unvorhersehbar, während Yang das äußere, männliche, tun, mental, strukturierte, kontrolliert, kantig, gerade darstellt.

Auch wenn feminine und maskuline Energie von beiden Geschlechtern in Balance gehalten werden sollten, so wie Ying und Yang schon von den alten Samurai vor tausenden von Jahren, so spielt das feminine Prinzip für Frauen im allgemeinen eine größere Rolle. Auf der Technologiewelle surfen bedeutet für Frauen etwas anderes als für Männer. Frauen nutzen die neueste Technologie, um sie dazu einzusetzen, die Welt ein Stück zu verbessern. Frauen wollen Sinn. Technologie ist für sie kein Selbstzweck.

Frauen stoßen an innere Grenzen, an nicht greifbare Barrieren, an der sie mit ihren Selbst-Zweifeln und Selbst-Verurteilungen umgehen lernen müssen. Vor allem in einem Männer dominierten Umfeld erfordert dies persönliches Wachstum, um das eigene Potential im Digitalzeitalter auszuschöpfen.

Frauen sind eine Minderheit in dem Technologiesektor und fühlen sich deshalb oft einsam. Sie brauchen andere Frauen als Gesprächspartner.

Es gibt eine Vielzahl von Forschungen zu diesen Themen. Gleichzeitig sind Frauen weltweit die Aufsteiger, die in den nächsten Jahren mehr Autonomie, Geld und Möglichkeiten zur Verfügung haben als alle ihre weiblichen Vorfahren. Claire Zammit hat zu diesen Themen Pionierarbeit geleistet (evolvingwisdom.com).

Conways Law besagt, dass ein System die Kommunikationsstrukturen des Unternehmens spiegelt, das es entworfen hat. Damit kreieren Yang lastige Unternehmen Yang lastige Softwaresysteme. Dies zeigt sich besonders in der Kommunikation zwischen Systemen. In Zeiten von Smart-Energy, -Mobility und -Cities ist der Umgang mit Komplexität, Chaos und Ambiguität nötig, also Yin Qualitäten.

Scrum Teams, in ihrer Idealform, bieten eine Unterstützung für den Ausgleich von Yin und Yang. Die Struktur als Rahmen ist dazu gedacht, Selbstorganisation, Kreativität, Chaos zuzulassen, um Innovation zu schaffen.

Wenn ich die derzeitige Blogosphäre durchforste, dann erkenne ich, dass viele von den Hoffnungen die sie in Scrum als Problemlöser gesetzt hatten, nicht erfüllt wurden. In den Beispielen die ich gesehen habe, wurde der Yang Aspekt von Struktur in Form von regelmäßigen Meetings, überstrapaziert. Das Ying Prinzip, in Form von Chaos und Emotion, wo man sich auch mal streitet um sich zu versöhnen und sich über unbequeme Beobachtungen unterhält, wird unterdrückt. Das führt dann zu dem was Jeff Sutherland als “Dark Scrum” bezeichnet hat: mehr Mikromanagement mit Scrum in immer kürzeren Sprints. Kontrolle (Yang) statt Vertrauen (Yin). Das äußere Scrum mit Namen und Regeln wird durchgeführt und das innere Scrum wird eliminiert. Ich vergleiche das gerne mit dem Eisberg-Prinzip. Ein siebtel ist sichtbar ausserhalb des Wassers (bei Scrum in Form von Spielregeln) und sechs siebtel unter der Wasseroberfläche (bei Scrum Prinzipien und weiche Faktoren).

Ich bin bei der Arbeit mit Teams die Männer in der Überzahl haben, was in der Softwarebranche alle sind die ich kenne, überrascht, wie wenig diese Teammitglieder miteinander über persönliche Befindlichkeiten sprechen. Damit will ich nicht behaupten, dass Männer nie den persönlichen Austausch pflegen. In einem männlich dominierten geschäftlichen Kontext erlebe ich so eine persönliche Kommunikation nicht. Sobald mehrere Frauen Teil des Teams sind, ändert sich das Kommunikationsverhalten. Emotionen werden angesprochen, statt als unprofessionell und subjektiv auszuklammern.

In meinem Beitrag Diversity in Scrum Teams Boosts Innovation habe ich mich mit Forschungen zu dem Thema beschäftigt und warum es mindestens 20 Prozent Frauen in einem Team braucht, damit das weibliche Prinzip eine Wirkung zeigt. Meine Beobachtung, aber auch die von Claire Zammit, ist, dass Frauen, wie ich selbst, uns im Berufsleben an das männliche Prinzip angepaßt haben. Die traditionellen Managementstrukturen wurden zu einer Zeit, in der Blüte des Industriezeitalters, geprägt, als dies reine Männersache war. Agile Ansätze, wie Scrum, sind im Digitalzeitalter geboren und können besser mit Unsicherheit, Disruption und Komplexität umgehen. Dazu brauchen wir die femininen Prinzipien in ausgeglichener Form mit den maskulinen.

Mein Fazit ist, dass wir mehr Frauen ermutigen müssen sich auf das Abenteuer Digitalisierung und Softwareentwicklung einzulassen, damit wir gesunde ausgeglichene Kommunikationsstrukturen für die Zukunft schaffen.