Was sind kritische Führungskompetenzen für das Begleiten von agilen Teams?

Bei einem Managementszenario mit selbstorganisierten Teams wird mir immer wieder die Frage gestellt, welche Führungskompetenzen die Linienvorgesetzten brauchen, um diese Teams zu begleiten.

Die wichtigsten Kompetenzen gleichen denen in einem klassischen Szenario mit Kommando und Kontrolle. In dem Harvard Business Review Artikel “Making Exit Interviews Count” von Everett Spain und Boris Groysberg wurden Mitarbeiter interviewed, warum sie die Abteilung verlassen. Die Antwort war, dass sie bei dem neuen Manager kritische Leadership-Fertigkeiten vermissen. Diese sind das Fehlen von ausgedrückter Anerkennung, schaffen von Selbstverpflichtung und das kommunizieren von Vision und Zielen.

Kommunikation von Vision und Zielen

In einem agilen Kontext ist die Kommunikation von Produktzielen und der größere Kontext notwendig, damit eine gemeinsame Vision klar in allen Köpfen besteht. Ich erlebe immer wieder, dass in einem 8 köpfigen Team 8 verschiedene Visionen bestehen, da das gemeinsame übergeordnete Ziel fehlt. Bei einem Online Shop von einem Discounter hatten die Designer eine Boutique im Kopf, während die Marketingexperten als wichtigstes Element das Eintauschen der gesammelten Punkte vor Augen hatten. In einer gemeinsamen Visionsfindung entstand ein gemeinsames Bild, dass dazwischen lag. Der Leader wird hier zu einem Facilitator für die Gruppe.

Anerkennung ausdrücken

Echte Anerkennung und Wertschätzung erzeugt ein Gefühl von innerer Größe. Es bezieht sich auf die Qualität des Selbst. In einem cross-funktionalen Team sind alle Eigenschaften notwendig. Der Akribische macht die Feinarbeit und der Schnelle pflügt eine Schneise. Das laute Teammitglied ist genauso wichtig wie das leise. Diese Qualitäten wertschätzend zum Ausdruck zu bringen erfordert Empathie und die Fähigkeit, sich in die Perspektive des Mitarbeiters zu stellen. Diese Führungskompetenz muß geübt werden.

Raum schaffen für Selbstverpflichtung

Commitment und Engagement erfordern einen geschützten Raum und das Gefühl von psychologischer Sicherheit. In meinen leadership Workshops führe ich gerne eine Übung durch, bei der sich die Teilnehmer damit beschäftigen einen Fehler gemacht zu haben. Das ist ein sehr schmerzhafter Prozess, da Fehler von frühester Kindheit mit Bestrafungen verknüpft sind. Agile Teams höre ich leichtfertig sagen “Fail early, fail fast!”. Wenn es passiert, dass eine 180 Grad Kehrtwende notwendig ist, weil eine Annahme falsch war, dann gibt es einen Konflikt den es zu entschärfen gilt. Eine Führungskompetenz ist es, das Team durch solch eine Krise zu begleiten, ohne selbst die Zügel an sich zu reißen. Dazu gilt es stabil bei sich selbst zu bleiben, beim Team und den Abstand dazwischen zu bewahren.

Alle diese Führungskompetenzen erfordern  Übung. Es lohnt sich.